Mikroplastik im Körper

Plastik – ein für uns nicht mehr wegzudenkendes Material der modernen Welt, gerät immer mehr in Verruf. Viele alltägliche Gegenstände wie Plastikflaschen, Strohhalme oder Textilien aber auch Kosmetika, Kaugummis, Waschmittel oder Zigarettenfilter enthalten sogenanntes Mikroplastik. Der folgende Text macht die Risiken deutlich, welche Mikroplastik mit sich bringt und stellt mögliche Lösungsvorschläge dar.

Vor rund 70 Jahren wurden Kunststoffe zum günstigen Massenprodukt.
8,3 Mrd. Tonnen wurden seither produziert.
Laut Forschern fielen bis zum Jahr 2015 6,3 Milliarden Tonnen Plastikmüll an. Nur neun Prozent wurden wieder verwertet. Zwölf Prozent wurden verbrannt. 79 Prozent landeten auf Deponien oder in der Umwelt. Das Europaparlament in Straßburg hat nun endlich für ein Verbot von sogenannten Wegwerfprodukten, wie Trinkhalmen, Wattestäbchen und Plastikgeschirr gestimmt. Allerdings gilt dies erst ab dem Jahr 2021. Was mit dem Plastik geschieht, welches bis zu dieser Zeit weiter produziert wird, und wie das Müllproblem in der Umwelt behoben werden kann, scheint nur einige wenige zu interessieren.

Das Vorkommen des Plastiks in unserer Umwelt und auch unser täglicher Gebrauch von allerlei Plastikartikeln macht es nicht verwunderlich, dass dieses mittlerweile auch in Form von sogenanntem Mikroplastik im menschlichen Organismus vorkommt. Forscher der University of Victoria in Kanada haben sich bereits mit diesem Problem auseinandergesetzt und festgestellt dass Menschen je nach Alter und Herkunft zwischen 74.000 und 121.000 Mikroplastikteilchen im Jahr aufnehmen. Wer vorzugsweise Wasser aus Plastikflaschen trinkt, erhöht diesen Wert um weitere 90.000 Partikel pro Jahr.

Wie kommt es zur Aufnahme von Mikroplastik ?

Einen Anteil des Mikroplastiks nehmen wir über die Nahrung auf. Grade Fische und Meerestiere gelten als besonders belastet, denn Gewässer sind Sammelbecken für Kunststoffabfälle. Für viele Tiere ist Mikroplastik nicht von ihren natürlichen Nahrungsquellen zu unterscheiden. Daher fressen sie es. Einmal in der Nahrungskette verschwindet es nicht wieder, sondern landet irgendwann auf unseren Tellern und gelangt somit in unseren Körper. Kleine Partikel spült der Regen einfach weg und sie landen direkt im Abwasser. Abhängig von der Herstellung kann es aber auch in täglichen Gebrauchsgegenständen wie Kosmetika, etwa Zahnpasta, Peeling oder Deo enthalten sein. Die Kleinstteile gelangen dann über unsere Schleimhäute oder unsere Haut in unseren Organismus. Der Großteil von Mikroplastik in unserem Körper stammt jedoch von den beliebten Plastikfalschen, aus denen wir täglich trinken. Mit der Zeit lösen sich Kleinstteile der Plastikflasche und gehen in das Getränk über.

Macht uns Mikroplastik krank ?

Zu Beginn muss man ganz klar sagen, Mikroplastik ist ein Fremdkörper. Deshalb kann es Entzündungsreaktionen in unserem Organismus auslösen. Bei kleineren Partikeln besteht außerdem die Gefahr, dass diese eingelagert werden. So passiert es zum Beispiel mit Rußpartikeln in der Lunge. Eine zusätzliche Risikoquelle stellt die Anhaftung von Giftstoffen wie etwa Schwermetallen dar. Plastik enthält zudem oftmals Zusatzstoffe, wie Flammschutzmittel, UV- Absorber, Aufheller, Farben oder Weichmacher. Die Wissenschaft hat nachgewiesen, dass es zu einer Aufnahme dieser Chemikalien kommen kann. Es kann passieren, dass es im Körper zu einer Wechselwirkung kommt. Das bedeutet, dass selbst wenn ein Schwellwert einer einzelnen Chemikalie nicht überschritten wird, die Gesamtmenge aller im Körper vorhanden Zusatzstoffe gesundheitsgefährdend sein kann.

Eine weitere besorgniserregende Chemikalie nennt sich Bisphenol A. BPA ist eine hormonaktive Chemikalie und kann bereits in sehr geringen Konzentrationen biologische Prozesse wie Enzymaktivitäten oder das Hormonsystem beeinflussen. Zudem steht es unter Verdacht, zu Übergewicht und kognitiven Störungen wie Aggression und Aufmerksamkeitsdefiziten beizutragen. Der günstige Ersatzstoff Bisphenol S scheint sogar noch stärker in das Zellwachstum einzugreifen. Grade bei Kinder ist also Vorsicht geboten. Am besten sollte man daher komplett auf Bisphenol verzichten – wenn möglich generell auf Plastik etwa bei Spielzeug und Geschirr. Denn je früher es zum Kontakt mit hormonaktiven Substanzen kommt, desto höher ist das Risiko von gesundheitlichen Spätfolgen. So kann zum Beispiel bei Jugendlichen die Pubertät verfrüht einsetzen. Man kann daher sagen, dass grade Schwangere und Kleinkinder den Kontakt mit potenziell schädlichen Substanzen vermeiden sollten.

Wie können wir uns schützen?

Gerne zieht man sich aus der Verantwortung. Es sei Aufgabe der Politik, ein solch schwerwiegendes Problem zu beheben und die Plastikproduktion einzudämmen, besser noch, ganz zu verbieten. Dies ist zum einen richtig. Zum anderen kann aber auch jeder Einzelne helfen, etwas gegen die Plastikflut zu tun – zum Schutz der Umwelt und für das eigene Wohlergehen.

Es ist von großem Vorteil, auf tägliche Gegenstände wie Plastiktüten zu verzichten. Lebensmittel gehören nicht in Plastiktüten. Am besten kauft man sie lose und verstaut sie zum Beispiel in Stoffbeuteln. Verpackungsmaterialien wie Säckchen oder Metalldosen und viele andere Produkte wie Bambuszahnbürsten oder Haar-Seife ohne schädliches Plastik oder Mikroplastik werden empfohlen. Aus Glasfalschen zu trinken, reduziert die Aufnahme um unglaubliche 45.000 Teilchen Mirkoplastik pro Jahr. Aufgrund von immer mehr Studien, die belegen, dass Mirkoplastik ein Problem für jeden einzelnen darstellt, haben sich zahlreiche deutsche Hersteller bereits dazu entschieden, sowohl in der Herstellung als auch bei der Verpackung, soweit es geht auf Plastik zu verzichten. In Zahnpasta zum Beispiel kommt es mittlerweile kaum mehr vor.

Man sollte damit beginnen, sich den eigenen Plastikverbrauch bewusst zu machen und dann anders zu handeln. Dazu gehört es nicht nur, den zukünftigen Plastikkonsum zu verringern, sondern auch Plastikprodukte, die wir bereits besitzen, so lange es geht zu verwenden oder, wenn möglich, wieder zu verwerten.

von Mara Stapper